Leben und glauben in Zeiten mit Corona

Liebe Christen, liebe Puchheimer,
wir alle leben derzeit in außergewöhnlichen Umständen. Wir wissen von einer Bedrohung und Gefahr, die nahe ist und die wir doch nicht sehen und greifen können. Das kann unheimlich sein. Wer möchte, kann die Gefahr – noch – verdrängen und nicht wahrhaben. Die Verdrängung bekommt jedoch leicht Risse, durch die Sorge und Angst eindringen, wenn sie nicht ohnehin schon da sind in uns.
Was leistet in solchen Verhältnissen der Glaube? Ist er uns eine Hilfe? Welche Hilfe kann er geben und welche nicht?
Der Glaube kann uns gewiss nicht vor einer Infektion mit Corona schützen. Gegen eine Infektion helfen die bekannten Vorsichtsmaßnahmen. Wir schulden es uns und wir schulden es einander, sie einzuhalten so gut es geht. Tun wir diesbezüglich, was wir können!
Worin besteht die Hilfe des Glaubens dann?
Der Glaube sagt uns, dass wir im Leben niemals allein sind. Stets gibt es einen, der um uns weiß, der uns sieht – auch und gerade in unseren Sorgen und Ängsten. Was tröstet mehr als Nähe? Gottes Nähe behütet uns!
Es gehört zu unserem Glauben wesentlich dazu, dass wir uns gegenseitig die Nähe Gottes bezeugen, indem wir füreinander da sind. Es ist eine besondere Herausforderungen des Corona-Virus, dass dieses uns zwingt, zueinander physischen Abstand zu halten, also gerade das Gegenteil dessen zu tun, worin Füreinander-da-sein unter normalen Umständen besteht: uns besuchen, miteinander sprechen, uns körperlich berühren.
Wie können wir trotzdem zeigen, dass wir füreinander da sind? Es gibt zum Glück das Telefon! Rufen wir einander an, fragen wir, wie es dem anderen geht. Fragen wir auch, ob wir etwas für ihn / für sie tun können. Tun wir das vor allem gegenüber Menschen, von denen wir wissen, dass sie allein leben und nicht viele Kontakte haben! Und gegenüber Menschen, die alt und geschwächt sind, und die sich darum vermehrt Sorgen machen!
Bedrohungen und Gefahren rufen nach "Deutungen". Warum diese Seuche? Ist sie gar von Gott geschickt, womöglich zur Bestrafung einer "gottlosen Welt"?
Solche Deutungen sind archaisch und scheinen überholt. Doch brechen sie selbst in einer aufgeklärten Welt in Krisenzeiten immer wieder auf.
Wir sollten wissen: Sie sind vollkommen abwegig und mit dem Glauben an einen uns liebend zugewandten Gott gänzlich unvereinbar!
Es ist richtig: Gott bewahrt uns nicht vor einer Infektion. Viren sind eine reale Möglichkeit in einer evolutiven Welt. Sie verdanken sich denselben schöpferischen Prozessen wie wir Menschen auch. Die Schöpfung ist – das ist ihr Wesen – unvollkommen.
Zu den Gaben, mit denen Gott uns als seine Geschöpfe ausgestattet hat, gehört der Verstand, der uns Mittel der Medizin und der Pflege von Kranken zur Verfügung stellt. Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, die sich diese Mittel leisten kann. Wir sind nicht hilflos. Das ist ein guter Grund, nicht in Panik zu verfallen, sondern trotz allem zuversichtlich zu bleiben.
Welche Hilfe kann uns der Glaube geben?
Er sagt uns: Die Welt ist in Gott. Wir sind in Gott. Aus dieser Bergung kann niemand herausfallen, mag er / sie gesund bleiben oder – was niemand hofft - erkranken.
Haben wir den Mut, die Bergung in Gott zu suchen! Beten wir für uns und füreinander.
Auch wenn unsere Gottesdienste bis auf weiteres ausgesetzt bleiben, so steht Ihnen unsere Kirche zum Gebet tagsüber jederzeit offen!
Bleiben Sie behütet!
Ihre Seelsorger