"Diese Krankheit dient zur Verherrlichung Gottes." Dies sagt Jesus zu seinen Jüngern über die Krankheit seines Freundes Lazarus. Das Wort erinnert an seine Stellungnahme zum Schicksal des Blindgeborenen: "Wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, so dass er blind geboren wurde?" Jesus hatte geantwortet: "Weder er noch seine Eltern, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden."

Leid will Jesus zufolge nicht erklärt werden, sondern beseitigt. Nicht indem Gott Menschen mit Krankheit oder gar mit dem Tod "schlägt" zeigt er seine Herrlichkeit, sondern indem er sie heilt und aus dem Tod errettet. Gott ist ein Gott des Heils.

Das lässt uns fragen: Warum musste dann Jesus leiden? Betrachtet nicht gerade der Johannes-Evangelist, Leiden und Tod Jesu als "Verherrlichung" des Vaters?

Hier müssen wir unterscheiden. Jesus muss leiden, weil er seiner Sendung, die auf das Heil der Menschen zielt, treu bleiben will. Er lässt sich dabei auch von Widerstand nicht aufhalten. Nicht Leid und Tod Jesu als solche verherrlichen Gott, sondern Jesu Treue und Liebe, die nicht an ihr Ende kommen, als sein Weg ins Dunkel des Leidens abbiegt.

Vor allem aber verherrlicht Gott sich selbst, indem er dem Tod nicht das letzte Wort lässt. Nicht bei Lazarus, nicht bei Jesus, nicht bei uns.

Ihr Pastoralreferent

Helmut Schnieringer